10. Mai 2013. Robert Birnbaum und Dagmar Dehmer beziehen in ihrem Kommentar „Mal langsam mit dem Tempolimit“ Position in der vom SPD-Vorsitzenden Gabriel angestoßenen Diskussion. Im Folgenden ein Textauszug; den vollständigen Kommentar finden Sie im Tagesspiegel oder im Cicero.



Was bringt ein Tempolimit für die Verkehrssicherheit?


Tempolimits machen den Verkehr sicherer. Das haben zahlreiche Untersuchungen in Deutschland aber auch in anderen Ländern ergeben. Schon 1984 hat das Bundesamt für Straßenwesen (Bast) errechnet, dass eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf 130 Stundenkilometer auf Autobahnen die Zahl der Getöteten um 20 Prozent vermindern könnte, eine Beschränkung auf 100 Kilometer pro Stunde würde sie sogar um 37 Prozent mindern. „Da sowohl das Verkehrsaufkommen als auch das Geschwindigkeitsniveau seitdem deutlich zugenommen haben, dürfen die relativen Minderungseffekte heute noch höher sein. Neuere Untersuchungen hierzu liegen jedoch nicht vor“, schrieb das Umweltbundesamt (UBA) 2003 über diese Untersuchung.


Für den Verkehrsclub Deutschland (VCD) ist es „völlig inakzeptabel“, dass seit 1993 nicht einmal mehr die Geschwindigkeiten auf den Autobahnen erfasst werden. Bis dahin hatte das Bast diese Daten noch ermittelt. Lediglich aus Unfallstatistiken des Statistischen Bundesamtes lassen sich einige wesentliche Informationen herauslesen. 42 Prozent aller schweren Unfälle auf Autobahnen sind demnach Geschwindigkeitsunfälle. Zwar gelten Autobahnen im Vergleich mit Landstraßen als sicherer. Von 645 Verkehrstoten im Jahr 2006 starben 331 nach Unfällen wegen überhöhter Geschwindigkeit und 222 davon auf Autobahnabschnitten ohne Geschwindigkeitsbegrenzung.


Dass ein Tempolimit auf Autobahnen die Zahl der Unfälle beträchtlich senken kann, zeigt aus Sicht des VCD das Beispiel der Bundesautobahn A24 zwischen Berlin und Hamburg. Seit Dezember 2002 gilt zwischen den Autobahndreiecken Havelland und Wittstock auf 62 Kilometern ein Tempolimit von 130 Stundenkilometern. Das Ergebnis war eindrucksvoll. Starben 2002 acht Menschen bei Unfällen auf dem Streckenabschnitt, waren es zwischen 2003 und 2006 noch sechs. Die Zahl der Verletzten sank um fast die Hälfte.


Der ADAC argumentiert umgekehrt: Die Zahl der Getöteten auf Autobahnen liege pro eine Milliarde Kraftfahrzeugkilometer in Deutschland bei rund 1,8 – seit Jahren mit fallender Tendenz. In Österreich, wo ein Tempolimit von 130 gilt, sei die Getötetenrate auf Autobahnen 1,5-mal höher als in der Bundesrepublik.


Übrigens führt ein Tempolimit auch zu flüssigerem Verkehr und weniger „Staus aus dem Nichts“, die vor allem wegen hoher Geschwindigkeitsunterschiede entstehen. Die höchste Leistungsfähigkeit einer Autobahnspur wird nach VCD-Informationen mit 2600 Fahrzeugen pro Stunde bei einer Geschwindigkeit von 85 Stundenkilometern erreicht.


Robert Birnbaum / Dagmar Dehmer, 10.05.2013