Foto: J. Patrick Fischer via Wikipedia
Bayerischer
Löwe als Tiger
Der Seehofer Horst
Donnerstag,
5. Juli 2012. Der Seehofer Horst. Jetzt hat er mal wieder mit dem
Koalitionsbruch gedroht. Das muss er ja auch; schließlich ist er der
Vorsitzende der CSU. Und der bayrische Ministerpräsident. Da ist das sozusagen
eine Pflichtübung. Der bayrische Löwe muss brüllen. Wie ein Tiger. Und wenn er
dabei als Bettvorleger landet. Er habe das Wort Koalitionsbruch "nicht in
den Mund genommen", ließ der Seehofer Horst am Dienstagabend mitteilen. Na
sicher; er hatte nur auf die Tatsache hingewiesen, dass „die Koalition ohne die
Stimmen der CSU keine Mehrheit“ hat. „Irgendwann ist ein Punkt erreicht“,
brüllt Seehofers Horst, „der uns zum Widerstand zwingt“, hätte damals Rainer
Barzel gesagt, als die Sozis Deutschland an die Kommunisten verkaufen wollten.
Aber weil diesmal Deutschland „nur“ an die prassenden Faulpelze im Süden
verscherbelt werden soll, bleibt der bayrische Löwe noch recht moderat.
Wenn
das Franz-Josef Strauß noch erlebt hätte! Erst recht moderat den Horst machen,
und dann das Wort nicht in den Mund genommen haben wollen. Kruzifix nochmal!
Was hatte er denn nun gesagt, Seehofers Horst? Dem Stern?
Richtig: kein Koalitionsbruch. Aber doch: „Irgendwann ist ein Punkt erreicht,
wo die bayerische Staatsregierung und auch die CSU nicht mehr Ja sagen können.
Ich könnte das dann auch ganz persönlich nicht mittragen“. So schaut´s aus: die
Staatsregierung, die CSU und Horst auch ganz persönlich. Ein Ruf wie
Donnerhall: „Hände weg vom Grundgesetz!" Der Seehofer Horst. Jetzt musste
er sich aber auch langsam etwas einfallen lassen. Mit seiner Herdprämie droht
er sich zu verrennen. Zwar hängen im bayrischen Wald durchaus die meisten
Wähler (ja, die dürfen dort auch wählen!) am Glauben, dass die Brut am besten
bei der Mutti aufwachse. Und zwar nur bei der Mutti.
Blöd
nur, dass sonst alle irgendwie nicht besonders viel von Horstis Betreuungsgeld zu
halten scheinen. Die Opposition sowieso nicht, die FDP nicht, die meisten in
der CDU nicht, und inzwischen selbst viele CSU-Politiker nicht. Es wurde einsam
um Seehofers Horst. Dabei ist Deutschland doch reif für den Rechtspopulismus,
wie bspw. der Tagesspiegel
schreibt. Und Bayern erst einmal! In den Umfragen
liegt die CSU bei nur noch 43%, die FDP ist abgemeldet, aber die sog. „Freien
Wähler“ (FW) sind schon bei 9%. Und das fast ganz ohne Betreuungsgeld. Da
hat´s dem Seehofer Horst gedämmert: er hatte schlicht und einfach aufs falsche
Pferd gesetzt. Thema verfehlt, Setzen, Sechs! Scheiß auf die Herdprämie. In
Zeiten, zu denen sich das Volk nicht einmal mehr für Steuersenkungen erwärmen
kann, weil es vor lauter Bankrottängsten nicht mehr schlafen kann…
Und außerdem: wer hat oder kriegt eigentlich noch Kinder? Kann man überhaupt, darf man überhaupt heutzutage noch Kinder in die Welt setzen, wenn man die blonden blauäugigen Kleinen nicht einmal mehr davor schützen kann, dass ihnen die südländischen Hallodris sowieso eines Tages all das wegnehmen werden, was der Opa aufs Sparbuch für sie eingezahlt hat?! Seehofers Horst hatte verstanden: wenn er schon als bayrischer Löwe den Tiger machen muss, dann nicht für die letzten Heimchen am Herd, sondern zur Verteidigung des … - na ja: „christlichen Abendlandes“ kann man hier jetzt schlecht sagen, weil zugegebenermaßen die Spanier, Portugiesen und Italiener an den richtigen lieben Gott glauben, den sie allerdings unter ihrer Sonne einen guten Mann sein lassen. Entscheidend sei, sagt Seehofers Horst, jetzt die "Schuldenmentalität“ einiger Länder zu durchbrechen.
Horst,
der Tiger. Will die Mentalität durchbrechen. Die ganze Mentalität da unten. Und
dabei natürlich Mensch bleiben. Seehofer im „Stern“-Interview: „Dass andere an
unser Geld wollen, ohne sich dabei zu viel zuzumuten, ist zutiefst menschlich.“
Ja genau, in der Sonne Rumdösen – wer will das nicht?! „Aber es ist keine
Lösung des Problems.“ Eben! Endlich mal einer, der weiß, wovon er spricht. Der
die Welt des Geldes ebenso versteht wie die Sorgen des kleinen Mannes. Der hart
schuftenden Bauern an den bayrischen Biertischen oder auch der schwäbischen
Hausfrauen, die ja in aller Regel mit den kleinen Männern verheiratet sind. Und
die nun einmal keinen „europäischen Monsterstaat“ wollen – Originalton
Seehofer im Stern-Interview, Zitat: „Diese Frage werden wir dem
Volk vorlegen.“ Nein, nein, keine Volksabstimmung à la Schäuble.
Seehofer
denkt an die Landtagswahl in Bayern und an die Bundestagswahl 2013. Eigentlich
denkt er an nichts Anderes. Und deshalb muss er gegen den Euro Stimmung machen,
ohne gegen den Euro zu sein. Deshalb muss er die Koalition infrage stellen,
ohne mit dem Koalitionsbruch zu drohen. Deshalb muss er dem Volk nach dem Maul
reden, ohne das zu sagen, was das Volk hören will. Meint er, der Seehofer
Horst. Was aber, wenn das Volk anfängt, sich zu amüsieren über
Möchtegern-Tiger, die nicht einmal als Merkels Bettvorleger taugen? Wenn
Seehofer eine rechte Stimmung weiter anheizt, die er sowieso nicht bedienen
kann? Tja … dann hätte er die rechtspopulistischen FW, anstatt ihnen das Wasser
abzugraben, noch stärker gemacht. Das wäre dem alten Strauß niemals passiert.
Der hätte niemals das „richtige“ Thema für seine rechten Ausfälle gewählt. Der hatte seinen Krawall stets auf die unwichtigen Dinge konzentriert. Wenn es wirklich um etwas ging, um etwas Wichtiges ging, hatte er geschwiegen und Geheimpolitik gemacht. Und gleichzeitig bei Randthemen rechtsaußen rumgedonnert. Der Seehofer Horst hat jetzt schlicht und einfach aufs falsche Pferd gesetzt. Thema verfehlt, Setzen, Sechs!
Werner Jurga, 05.07.2012