Tamtam à la Sauerland

Donnerstag, 9. Juni 2011. Huch! Das ist jetzt aber blöd. Da schreibe ich vorgestern etwas über das Tamtam ums TaM, d.h. eigentlich habe ich gar nichts über Tamtam ums TaM geschrieben. Ich arbeite nämlich mit allen Tricks. Wenn man das, was ich so mache überhaupt Arbeiten nennen will. Und wenn es ein Trick war, ging er in diesem Fall ein wenig daneben; denn, wie gesagt: das war ja jetzt blöd. Ach so, ich muss das „Sondern“ ja noch anfügen: eigentlich hatte ich ja gar nichts über Tamtam ums TaM geschrieben, sondern (da haben wir´s) über den Kommentar dazu des örtlichen WAZ-Redaktionsleiters. Und zwar schlecht. Also, nicht etwa, dass ich schlecht geschrieben hatte, habe oder einfach nur schreibe, sondern schlecht über den Journalisten.

Besser gesagt: über seinen Kommentar, natürlich nicht über den Mann. Denn den fand und finde ich schlecht, den Kommentar. Und doch: blöd. Hätte ich geschwiegen, wäre ich Philosoph geblieben. Denn – schon wieder dieses Denn, aber es geht nicht anders, ich muss jetzt allmählich mal zum Thema kommen – die Stadt Duisburg, also der Oberbürgermeister, den kennen Sie doch, diesen Sauerland …

Ja, wer soll denn so etwas ahnen?! Sauerland hat jetzt Strafanzeige gegen Unbekannt erstattet wegen der Weitergabe von Dokumenten. Okay, man hätte es ahnen können, Weitergabe von Dokumenten – das mag er nun einmal nicht. Da wird er kiebig, die Leute von xtranews können da ein Lied von singen. Ich war in dieser Hinsicht schon immer äußerst vorsichtig. Nicht feige, sondern vorsichtig. Ich erinnere nur an die Geheimsache Sauerland.

So, und vorgestern hatten DerWesten, die NRZ und die WAZ aus den Berichten des Rechnungs-prüfungsamtes zum Theater am Marientor zitiert. Zack, sofort Strafanzeige gegen Unbekannt. Nein, nicht gegen die WAZ-Gruppe, sondern – das habe ich jetzt doch schon zweimal gesagt! – gegen Unbekannt. Genauer: gegen die Verräter aus Rat oder Verwaltung, die diese brandheißen Informationen so einfach der Zeitung verpetzt hatten.

Und was mache ich?! Anstatt die geneigte Leserschaft an geeigneter Stelle über diese Top-secret-Infos in Kenntnis zu setzen, lästere ich über den Kommentar eines Lokaljournalisten, nur weil der blöd ist. Der Kommentar natürlich, nicht der Mann. Huch! Das war jetzt aber blöd von mir. Anstatt dieses Burgplatzgate angemessen zu würdigen, witzele ich über den Qualitätsjournalismus, der wahrlich Verehrung statt Spott verdient hätte.

Andererseits: so blöd war das nun auch wieder nicht. Ich stelle mir gerade vor, auch ich hätte eine oder gar mehrere dieser geheimsten aller geheimen Geheimzahlen …, ja, lachen Sie nicht! Der Sauerland hat nicht nur die WAZ-Gruppe, sondern auch noch ein Internet-Portal … - so sieht es aus! – okay: nicht angezeigt, aber immerhin angeführt. Sicher ist sicher. Jawohl, ich arbeite mit allen Tricks.

Von wegen: „Ja, wer soll denn so etwas ahnen?!“ Ich zum Beispiel habe immerhin irgendetwas geahnt. Dieses ganze Tamtam ums TaM. „Mit der Veröffentlichung zum TaM würde eine wirtschaftliche Lösung gefährdet“, erklärt Sauerland laut derWesten. Klar, das hätte sonst ja niemand gemerkt, dass der Laden im Grunde leer steht – schon allein wegen der Rocky Horror Picture Show! Als wenn ohne diesen Hochverrat irgendeiner der unzähligen potentiellen Investoren, die sich die Türklinke in die Hand geben, nach diesen Zahlen gefragt hätte. Und selbst wenn! Einfach mal die Klappe halten.

Andererseits gilt: je mehr Tamtam ums TaM, desto weniger Aufmerksamkeit für die Küppersmühle. Ohne hier jetzt Zahlen nennen zu wollen – Sie wissen schon: meine Vorsicht – in Bostons Botched Box am Duisburger Innenhafen werden in jedem Fall ein paar Euro mehr versenkt als in die „Bühne für das Leichte“. Kein Thema: ist ja auch „Hochkultur“. Und vor allem: hier dürfte es in Kürze ziemlich heiß werden, ganz heiß. Mehr als nur Tamtam.

Ein Schmankerl zum Schluss: Sauerlands Strafanzeige beruht noch auf einem weiteren Fall. Auch bezogen auf die Ermittlungen gegen die ehemalige Leiterin des städtischen Zentraleinkaufs seien Geheimnisse aus nicht-öffentlicher Sitzung weitergegeben worden. In diesem Fall würden, so die Pressemitteilung, „Rechte Dritter“ verletzt. Welcher Dritter denn? Sauerland kann es nicht sein; der unterschreibt doch nie etwas. Köstlich.


Werner Jurga, 09.06.2011