Sonntagsfrage Januar 2012

Sonntag, 29. Januar 2012. Der Monat geht zu Ende. Zeit, sich mal wieder die Wasserstandsmeldungen anzusehen. Die von sechs Instituten ermittelten Antworten auf die Sonntagsfrage und die daraus ermittelten Resultate liegen – durchweg recht aktuell – vor. Ich habe – wie immer – ein arithmetisches Mittel daraus gebildet; dabei kommt das heraus:



Die angegebenen Veränderungen beziehen sich auf die Erhebung von Weihnachten 2011.

Im Vergleich zum Vormonat hat sich nicht allzu viel getan. Und weil dies – von der ein oder anderen Ausnahme abgesehen – fast immer so ist, sind die Polit-Freaks leicht geneigt anzunehmen, generell gelte, dass die parteipolitischen Kräfteverhältnisse hierzulande äußerst unbeweglich seien. Davon kann jedoch überhaupt keine Rede sein.

Man wird ja nicht nur einmal im Monat in der Presse mit den neuesten Werten vertraut gemacht. Vielmehr haut natürlich jedes dieser Institute, wenn es ein neues Ergebnis hat, raus. Jedes mindestens einmal monatlich. Da die Umfrageresultate nun nicht so schrecklich weit auseinanderliegen, ist der politisch interessierte Leser bei der jeweiligen Lektüre leicht geneigt festzustellen: „Guck mal! Hatte ich mir schon so ähnlich gedacht.“

Kunststück. Er erinnert ja nicht mehr so genau, dass er vor vier Tagen ziemlich ähnlich erscheinende Werte (von der Konkurrenz) zur Kenntnis genommen hatte. Die Folge: der Leser kommt sich einigermaßen schlau vor (okay, kann ja sein); doch zudem gewinnt er auch deshalb den Eindruck, irgendwie tue sich nicht allzu viel. Wie gesagt: falsch.

Im langfristigen Trend, ach was: schon mittel- bis recht kurzfristig sieht die ganze Sache völlig anders aus. Zum Beispiel bei der Piratenpartei: sie steht erst seit der Wahl in Berlin überhaupt auf dem Zettel. Blickt man bei den Grünen ein Jahr zurück, sieht es zwar so ähnlich aus wie jetzt. Man übersieht jedoch den zwischenzeitlichen Höhenflug auf deutlich über 20 Prozent – „wegen Fukushima“. Eine Diskussion über den Kanzlerkandidaten konnte nur mit Mühe gestoppt werden.

Und davon, dass „Die Linke“ schon einmal bessere Zeiten gesehen hatte, war in der letzten Woche des Öfteren die Rede – gerade von Leuten aus der Linkspartei. Sieben Prozent – um auf das Methodische zu sprechen zu kommen: die sind völlig unproblematisch. Denn – sensationell – alle Institute ermittelten für „Die Linke“ genau diesen Wert.

Ein Wert von dem die FDP nur träumen kann. Bei ihr kommen alle auf läppische drei (nur Allensbach gibt ein Pünktchen mehr). Sie wissen ja: bei der Bundestagswahl vor gut zwei Jahren schafften die Liberalen noch knapp 15 Prozent. Fazit: da die nächste Bundestagswahl nach Lage der Dinge noch 1 ¾ Jahr hin ist, besagen die heutigen Umfragewerte nicht allzu viel.

„Und sie bewegt sich doch“, insistierte Galileo, und im deutschen Parteiensystem ist auch eine Menge Bewegung drin. Selbst bei den Großen: die SPD konnte die 30-Prozent-Marke, an die sie mal kurz gekratzt hatte, zwar nicht halten. Aber 29 Prozent im Vergleich zu den 23 Prozent bei der letzten Wahl – das ist eine Steigerung um … - na ja, jedenfalls mehr als 23 Prozent.

Die Union legt ebenfalls zu, diesen Monat sogar recht kräftig. Heute ist Emnid für die BamS rausgekommen; da musste die Union mal ein Pünktchen abgeben. Trotzdem: insgesamt liegen die Schwarzen eher bei 36 als bei 35,5 Prozent. Na sicher: die Ex-FDP-Wähler müssen irgendwo abgeblieben sein. Allein: die FDP hängt schon etwas länger bei 3 % rum; doch die Union legt zu.

Wie dem auch sei: Merkel wird auch nach der Wahl 2013 einen Koalitionspartner brauchen. Und dass dies die FDP sein könnte, darf – trotz aller Einschränkungen oben – bezweifelt werden. Es wird wohl nicht reichen. Ob aber die FDP ganz rausfliegen wird, darüber ist m.E. das letzte Wort noch nicht gesprochen.

„Die Linke“ müsste in ihrer Selbstdemontage noch einen ganzen Zahn zulegen, um aus dem Parlament rauszufliegen. Käme es zu einer veritablen Spaltung dieser Partei, könnte man dies nicht ausschließen. Hält der Laden irgendwie, dürfte auch der Wiedereinzug in den Bundestag klar gehen. Wenn auch mit deutlich kleinerer Fraktion.

Bleiben die Piraten. Wer mag eine Prognose wagen, wie es bei denen in anderthalb Jahren aussieht. Auch jetzt weichen die verschiedenen Meinungsforschungsinstitute deutlich voneinander ab. Währen Allensbach nur 4 % misst, kommt Emnid auf 8 %. Im Schnitt, auch unter Einbeziehung der anderen, sind es derzeit 6 %. Was sagt uns das?

Und doch: wahlentscheidend wird sein, ob die Piraten (und die FDP) reinkommen werden oder nicht. Wahrscheinlich.

Werner Jurga, 29.01.2011



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