Alle doof außer ich

 

Donnerstag, 24. November. Sie kennen mich ja: ich bin weiß Gott ein friedlicher Mensch, umgänglich, freundlich, charmant und manchmal sogar sensibel. Aber manchmal – und das ist wohl völlig normal – da könnte ich so richtig aus der Haut fahren. Und bevor ich mir ein Loch in den Bauch ärgere, haue ich dann so richtig auf den Tisch. Ist doch normal, oder? Ein Mann muss auch mal auf den Tisch hauen können; sonst nimmt ihn ja keiner ernst. Aber, wie gesagt: normalerweise bin ich so richtig umgänglich, so eine Art Kumpeltyp.

 

Allerdings gestern zum Beispiel. Ich kann Ihnen sagen: da hätte ich so richtig ausflippen können. Und zwar wegen dieser Rede, die unser Oberbürgermeister Adolf Sauerland gehalten hatte. Das heißt: genau genommen nicht wegen seiner Rede; die hatte er ja vorher angekündigt. Ist ja normal. Dann hat die Lokalpresse darüber berichtet. Die Duisburger WAZ, auch normal. Oliver Schmeer, der Redaktionsleiter, ist persönlich hingegangen zur CDU-Mittelstandsvereinigung. Umständehalber von mir aus auch noch normal.

 

Nach dem „schmackhaften Gänsebraten“ und der „dunkelroten Grütze“ – nun ja, normal ist das nicht – redete dann der Redner. „OB Adolf Sauerland attackiert Gegner, SPD und Medien“. Nein, darüber hatte ich mich nicht aufgeregt. Im Gegenteil: ich hatte mich gefreut. Vor allem darüber, dass Herr Schmeer so flott einen Bericht geliefert hatte. Ich glaube nämlich gar nicht, dass mich die CDU-Mittelständler überhaupt reingelassen, geschweige denn mir etwas von dem „schmackhaften Gänsebraten“ abgegeben hätten.

 

Damit das klar ist: ich traue mich überall hin. Jedoch: wenn man mich nicht reinlässt … - habe ich nicht nötig, sowas. Egal, ich hatte mich gefreut, weil ich mir doch vorgenommen hatte, zur Rede, gar mehr oder weniger öffentlichen Rede des Redners einen Kommentar abzugeben. Ohne Gänsebraten keine Bratwurstjournalismus-Gefahr, ich war guten Mutes, zu des Redners Rede meine dunkelrote Grütze abgeben zu können. Und dann das! Ich könnte … - ich bin jedenfalls nicht mehr bereit, mir das noch länger gefallen zu lassen! Ab heute wird gekämpft. Die Zeit des Schweigens ist vorbei.

 

Ich bin ein umgänglicher Mensch, aber da hört es doch auf. Nicht, dass sich der WAZ-Schmeer mit dem Gänsebraten und einem Bericht über diesen Event zufrieden gegeben hätte! Nee, der ist so frech und schreibt gleich noch einen Kommentar dazu. Unglaublich. Das ist aber noch lange nicht alles! Gestern Abend musste auch noch Christian Spließ, der gute alte Prospero, seine dunkelrote Grütze dazu abgeben. Heute Morgen dann, in der sog. Herrgottsfrühe, legte Stefan Meiners auch noch ein Ding nach.

 

Das ist doch kein Zufall! Das ist ein Komplott. Ja – gegen mich. Die wollen mich weghaben; so sieht es aus. Alle gegen mich. Obwohl ich überhaupt nichts gemacht habe. Also: gar nichts. Nichts geschrieben, geschweige denn unterschrieben. Aber Weghaben wollen sie mich. Zurück zu den alten Zeiten wollen sie. Kann sich überhaupt noch jemand daran erinnern, wie das hier in Duisburg aussah, als ich noch nicht öffentlich – na gut: im Internet – das Wort erhoben hatte?!

 

Der Schmeer war zwar auch noch nicht da, aber die WAZ. Mit der NRZ und wie sie alle heißen. Ein Scheiß-Journalismus, und dann diese sog. Blogger. Der Meiners, der Spließ – reiner Etikettenschwindel. Damit das klar ist: ich lasse mich nicht ins Abseits stellen! Nicht wegen eines geschlossenen Regenschirmes! Diese einseitigen Medien zeichnen doch ein völlig verzerrtes Bild. Es muss endlich Schluss sein mit diesen reinen – genau genommen: unreinen – Pressekampagnen!

 

Wie sah das denn hier aus, bevor ich in Duisburg … - ich will das jetzt gar nicht alles aufzählen. Trotzdem, oder gerade deshalb sind sie alle gegen mich. Weghaben wollen sie mich wieder, leider auch die sehr links stehende FDP. Alle doof außer ich. Jetzt fängt auch noch dieser Scheiß Computer an zu spinnen. Kringelt mir im letzten Satz das „ich“ an. Auch blöd, dieser blöde Computer. Ich weiß genau: „ich“ schreibt man i-c-h – basta! So, jetzt mit Schmackes: ich, ich, ich. – Na bitte, geht doch! Jetzt hat er sich nicht mehr getraut, einen „Fehler“ anzustreichen.

 

So, das war der Computer, der Blöde. Und mit all den anderen werde ich auch noch fertig. Wollen wir doch mal sehen! Sicher: man verhält sich in Ausnahmesituationen manchmal nicht so, wie man sich normalerweise verhält. Das ist klar. Und das ist hier jetzt eine Ausnahmesituation! Es geht um den Kampf Freiheit gegen Sozialismus. Weiß ich auch nicht, wie ich jetzt darauf komme. Jedenfalls: es darf kein Zurück in die alten Zeiten geben! Und es wird kein Zurück in die alten Zeiten geben. Ganz bestimmt nicht.

 

Werner Jurga, 24.11.2011




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